Schutz. Hilfe. Ausbildung. für die Bürgerkriegsflüchtlinge in Burma

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Zweiter Quartalsbericht aus Mae Sot von Annelie Schmitt (weltwärts - Freiwillige)  

Annelie Schmitt, Helfen ohne Grenzen Februar 2010

Zweiter Quartalsbericht aus Mae Sot / Thailand

Einleitung:

a3.pngSeit 6 Monaten arbeite ich jetzt hier bei Help without Frontiers in Mae Sot. Help without Frontiers hat sich zum Ziel gesetzt, burmesischen Bürgerkriegsflüchtlingen zu helfen und finanziert dabei auch Schulen für mehrere tausend Flüchtlingskinder.

 

Mae Sot liegt direkt an der Grenze von Thailand und Burma (Myanmar). Ich unter-richte hier Englisch für Kinder im Grund- und Vorschulalter. Ich kann es kaum glau-ben, dass schon die Hälfte meines weltwärts-Jahres vergangen ist.

Es ist nun auch zwei Monate her, dass ich umgezogen bin. Ich wohne jetzt in einer kleinen Wohnung ein bisschen außerhalb, aber immer noch in Mae Sot. Es ist etwas ruhiger und das lernt man hier sehr schätzen. Die Thais lieben nämlich Musik und die läuft oft in voller Lautstärke. Das hat mich sehr gestört, denn rund um das Help without Frontiers Büro, in dem ich vorher gewohnt habe, gibt es viele Bars und Re-staurants, die vor zwölf Uhr die Lautstärke nicht runterdrehen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner neuen Wohnung. Sie ist zwar klein, aber es ist alles da was man braucht.

Veränderungen meines Aufgabengebietes in den letzten drei Monaten:

Während der letzten drei Monate hat sich mein Aufgabengebiet etwas geändert. Statt an mehreren Schulen unterrichte ich jetzt nur noch an einer, und zwar der Naung Bo Deng Schule. Zuvor war meine wöchentliche Arbeitszeit nicht immer sinnvoll verteilt und mein Stundenplan hat sich ziemlich oft geändert. Deshalb haben wir beschlos-sen, dass ich mich auf eine Schule konzentriere. Ich bin also drei Mal pro Woche in der Naung Bo Deng Schule. Ein Vorteil für meine Schüler ist, dass sie jetzt einen re-gelmäßigen Englischunterricht erhalten. Zu den Grundschulklassen, die ich bisher unterrichtet habe, ist jetzt außerdem auch noch der Kindergarten dazu gekommen.

Meine Arbeitswoche ist jetzt gut durchstrukturiert. Montags bereite ich mich auf mei-nen Unterricht für die nächsten Tage vor und von Dienstag bis Donnerstag unterrich-te ich in der Naung Bo Deng Schule. Jeden Mittwoch übernachte in der Schule. Frei-tag helfe ich im Büro aus. Die letzten Monate habe ich begonnen die Bücherei im Help without Frontiers Büro zu verwalten. Alle Bücher wurden aufgelistet und mit Nummern gekennzeichnet. Immer wieder kamen neue Bücher dazu, die wieder neu aufgelistet und mit Nummern gekennzeichnet werden mussten. Jetzt ist die Bücherei aber fertig und es haben sich auch schon einige Lehrer Bücher für ihren Unterricht ausgeliehen. Ich werde die Bücherei auch in Zukunft verwalten.

Besuch:

a1.png Über Weihnachten hat mich meine Familie besucht. Sie haben sich die Projekte von Help without Frontiers angeschaut. Wir hatten eine schöne Woche in Mae Sot.

Kurz vor Weihnachten durften meine Fa-milie und ich bei einer ganz besonderen Aktion dabei sein. Help without Frontiers hatte dieses Jahr zu Weihnachten eine Überraschung für die Kinder der von uns betreuten Flüchtlingsschulen. Dank eines großzügigen Spenders konnten an allen Schulen kleine Kuchen verteilt werden, die die Kinder dann mit Zuckerguss und Streusel verzieren durften. Es war wirklich eine tolle Idee. Die Kinder bekommen nur sehr selten etwas Süßes, weil dazu ein-fach das Geld fehlt. Ihre Freude war riesengroß.

Nach Weihnachten hatte ich dann die drei flexiblen Seminartage des Pädagogischen Begleitprogramms. Diese hat mein Vater, als Vertreter meiner EO Helfen ohne Gren-zen e.V., mit mir durchgeführt, weil ich bis jetzt die erste weltwärts-Freiwillige bei HwF bin. Wir haben Themen wie Sprache, Kultur im Gastland, das Projekt, Formali-täten, die mit weltwärts zusammenhängen wie z.B. Kostenaufstellung, Haushaltsliste und EDV, abgearbeitet.

Unterstützung der Partnerorganisation mit Mitteln des ‚weltwärts’ Programms:

a2.pngDas Geld, das im Rahmen der Mittel für die Partnerorganisation Help without Frontiers zu Verfügung steht, habe ich genutzt, um den Schülern der Naung Bo Deng Schule Ordner zu kau-fen, um die vielen Arbeitsblätter aufzu-bewahren, die sie von mir bekommen. Jetzt können sie sie nicht mehr so leicht verlieren und alles hat seine Ordnung. Auch eine Schulglocke und Buntstifte haben sie jetzt bekommen. Über die Schulglocke haben sie sich aber am meisten gefreut. Davor hatten sie nur eine alte Schaufel aus Metal die mit einem Nagel geschlagen wurde.

Interkulturelle Begegnungen und Lernerfolge:

 •     Karen New Year:

Am 16. Dezember haben wir, das waren einige Freiwillige, ei-ne Mitarbeiterin von Help without Frontiers und ihr Mann, einen Ausflug zum Nupoe Flüchtlingslager gemacht. Der 16. Dezember ist ein ganz be-sonderer Tag für die Karen, sie feiern an diesem Tag das Karen Neujahr. Es war sehr interes-sant und ganz anders als Sil-vester bei uns. Dort habe ich zum ersten Mal einen traditio-nellen Karen Tanz gesehen. Es sah wirklich toll aus, die Mäd-chen und Jungen waren richtig rausgeputzt. Auch wir waren passend zur Zeremonie geklei-det. Ich durfte an diesem be-sonderen Tag sogar ein Ka-renkleid tragen, das mir die Mitarbeiterin von Help without Frontiers, die selbst Karen ist, gegeben hatte.

a4.pngTraditionelle Tracht der Karen

•     Weihnachten mal ganz anders:

An Weihnachten waren meine Familie und ich von der Naung Bo Deng Schule eingeladen mit Lehrern, Schülern und deren Familien ein bisschen Weihnachten zu feiern. Es wurde viel gespielt und gesungen und es gab viel zu Essen und alle hatten viel Spaß beim Feiern. Es hat mich sehr gefreut, dass sich meine Schüler schon auf Englisch meiner Familie vorstellen konnten. Solche Erfolge, machen mich schon ein bisschen stolz. Auch meine Familie und ich haben an den verschiedenen Spielen und Aktivitäten teilgenommen und es war sehr schön, zwei ganz verschiedene Kulturen das gleiche Fest feiern zu sehen.a5.png An diesem Tag ha-ben wir auch zwei der Fußbälle verteilt, die vom Ortsvorsteher meines Heimatortes gespendet worden sind. Die Kinder haben sich sehr gefreut. Im Unterrich habe ich meinen Schülern dann auch Fotos aus Deutschland gezeigt, die mir meine Familiemitgebracht hatte. Sie konnten sehen wo wir wohnen und was unsere Gegend so zu bieten hat. Auch ein Bild vom Schnee war dabei und eines der Kinder sagte: „Es sieht so schön aus, ich würde gerne wissen wie sich Schnee anfühlt.“ Diesen Wunsch kann ich leider nicht erfüllen, aber wir haben zusammen Weihnachtsbilder gemalt und auch viele Weihnachtslieder gesungen.

 •     Erste Erfolge:

Eine tolle Erfahrung war auch zu sehen, dass die Kinder auch außerhalb des Unterrichts die Lernmethoden anwenden, die ich ihnen gezeigt habe. Zum Beispiel habe ich ihnen gezeigt, wie sie ihre Vokabeln lernen können. Wir haben zusammen aus Papier Kärtchen gebastelt und diese dann mit den Vokabeln in jeweils den zwei verschiedenen Sprachen aufgeschrieben. Auch dass einige sich nach dem Unterricht noch mal hinsetzen und dass im Unterricht gelernte wiederholen, freut mich immer wieder.

Der Wortschatz ist eine wesentliche Voraussetzung für das Erlernen einer Sprache. Deswegen schreibe ich fast jede Woche einen Vokabeltest mit den 3. und 4. Klässlern. Fast alle sind mit Eifer dabei und das Ergebnis lässt sich mittlerweile sehen. Natürlich vergebe ich keine Noten oder bevorzuge die Kin-der, die besser im Test abgeschnitten haben. Sie bekommen lediglich einen Aufkleber, den sie sich ins Heft kleben können und die nach einem halbes Jahr gezählt werden und beim fünften Aufklebern gibt es eine kleine Überraschung.

Einblicke in die harte Wirklichkeit:

Aber nicht nur positive Sachen habe ich in den drei letzten Monaten erfahren. Eine meiner Schülerinnen hat geheiratet und kommt jetzt auch nicht mehr zur Schule. Sie ist gerade mal 15 Jahre alt und wohnt jetzt in einem anderen Dorf, nicht weit von meiner Schule entfernt. Die Schulleiterin, eine Schülerin und ich haben sie letzte Woche besucht. Sie hat sich sehr über unseren Besuch gefreut. Dann folgte ein Gespräch, das mich sehr bewegt hat. Sie ist zum Glück nicht schwanger, aber wie lange das noch so bleibt ist fraglich. Ihre Arbeit besteht darin, heruntergefallene Blätter zu sammeln, die sie dann zusammenbindet und verkauft. Die Karen machen daraus die Dächer ihrer Häuser. Das Mädchen lebt mit der Familie ihres Mannes in einer kleinen Bambushütte, die so klein ist, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie sie darin alle Platz finden sollen. Sie hat gesagt, dass sie immer hier ist und wenn ich Zeit habe, darf ich sie gerne besuchen kommen. Beim Verabschieden haben wir uns umarmt und dann hat sie mich gefragt ob ich wieder komme. Natürlich, komme ich wieder.

Eine andere Sache war, dass ich miterleben musste, wie Kinder von ihren Eltern in aller Öffentlichkeit geschlagen wurden. Das schlimmste Gefühl für mich ist, dass ich hilflos zusehen musste und nicht helfen konnte. Ich habe aber mit meiner Bezugsperson gesprochen und vielleicht kann man das Thema das nächste Mal bei einem Meeting ansprechen. Auch mit der Schulleiterin habe ich gesprochen. Sie hat mir dann erklärt, dass das ältere der beiden Kinder, ein Mädchen, vergessen hatte, nach ihrem kleinen Bruder zu sehen, während er ein Bad im Bach genommen hat. Es scheint hier wirklich ganz normal zu sein, dass Kinder schon mit fünf oder vier Jahren auf ihre kleineren Geschwister aufpassen müssen und deswegen nicht einmal zur Schule gehen können. Auch einige Eltern der Kinder sind Alkoholiker und lassen ih-ren Frust an den Kindern aus. Die Schulleiterin hat mir auch erklärt, dass die Eltern kein Wissen über Erziehung vermittelt bekommen haben und deswegen gar nicht wissen, dass es keine Lösung ist, die Kinder zu verprügeln. Ich glaube deswegen hat sich die Mutter auch nicht daran gestört, dass ich zugesehen habe, als sie ihr Kind geschlagen hat.

Ausblick:

Nächste Woche habe ich das fünftägige Zwischenseminar in Bangkok. Es wird von der EO „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners eV “ durchgeführt. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf, Erfahrungen mit den anderen Freiwilligen austauschen zu können.

Das Help without Frontiers Büro wird Ende Februar umziehen und meine neue Aufgabe ist es, eine Liste aller Aktivposten zu erstellen. Das ganze Inventar von Help without Frontiers muss erfasst und katalogisiert werden. Dazu gehören auch die Zentralküche, in der die Verpflegung für die Flüchtlingsschulen gekocht wird und unsere Nähwerkstatt, in der Schulkleidung für unsere Schüler hergestellt wird. Eine große Aufgabe die ich hoffentlich gut meistern werde.

 

Mae Sot, Thailand den 12. Februar 2010

Annelie Schmitt

 

Kommentare

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Mareike
schrieb am 01.03.2010 um 17:06:17

Annelie, ich habe deinen Artikel mit viel Interesse gelesen. Ich bin so stolz, eine Person, wie dich zu kennen. Du machst alles richtig und ich wünsche die für deine weiteren 6 Monate alles Gute und Gottes Segen. Deine Mareike

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schrieb am 26.02.2010 um 09:50:21

Hallo, ich bin gerade eher zufaellig ueber diesen Artikel gestolpert. Falls Du Hilfe brauchst oder auch mal ne Frage hast (ich lebe seit 4 Jahren in Suedostasien), kannst Dich gerne melden. ich lebe derzeit (seit ca. 1 jahr) auch wieder in Mae Sot. Hier meine Seite: http://www.sawadeekhaa.de/thailandblog

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schrieb am 20.02.2010 um 17:24:49

Hi Annelie, danke, das du uns einen Einblick gibtst. So kann ich mir ein Bild von deinem Einsatz in Mae Sot machen. Hab den Eindruck, dass du wirklich angekommen bist und wünsche dir auch weiterhin eine interessante und gute Zeit. Wenn du deine Eindrücke mitnimmst in dein Leben nach \\\'weltwärts\\\'Dienst (in welcher Form auch immer) ist das ganze ein Erfolg gewesen. Gruss aus Bremen

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schrieb am 18.02.2010 um 17:13:05

Ich bewundere deine Arbeit und stelle mir das alles sehr Interessant vor . Klingt nach einer tollen Erfahrung fürs Leben. Würde sowas auch gerne machen nach dem Abi. Viel glück für deine weiter Zeit dort ;)

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