Diktatur in Burma
Diktatur und Krieg seit Jahrzehnten
Burma ist fruchtbar, reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen,
hat genügend Wasserreserven durch seine großen Flüsse. Es verfügt über
Kunstschätze und archäologische Stätten, die ihresgleichen suchen und
ist überwältigend schön. Beeindruckend sind Burmas Menschen. 43
Millionen leben dort auf einer Fläche, die knapp zwei Mal so groß ist
wie Deutschland. Neben den Burmanen, nach denen das Land benannt wurde,
gibt es sieben weitere große Volksgruppen in Burma: Die Mon, Karen,
Karenni, Shan, Kachin, Shin und Arrakan. Zählt man alle kleinen und
kleinsten ethnischen Gruppen mit, kommt man auf über 100 verschiedene
Völker und Volksgruppen. Sie alle haben ihre eigenen Sprachen und
Dialekte und ihre vielfältigen und bunten Kulturen und Traditionen. Die
Menschen Burmas sind herzlich, freundlich und trotz des großen Leides
fröhlich und ehrlich.
1948: Unabhängigkeit von der Kolonialmacht England
Am 23. Februar 1947 unterzeichneten die politischen Repräsentanten der Shan und anderer nicht-burmanischer Nationen zusammen mit dem Freiheitshelden Burmas, Bogyoke Aung San, der das burmanische Volk repräsentierte, das Abkommen von Panglong, in dem die Regierung der Kolonialmacht England ersucht wurde, die Völker Burmas gemeinsam in die Unabhängigkeit zu entlassen. Eine Verfassung wurde geschrieben, noch im Jahre 1947 angenommen und von den britischen Regierungsvertretern akzeptiert. Auf diese Weise trat die "Union von Burma" ins Leben, in der die Völker des Landes gleichberechtigt und friedlich zusammen leben sollten.
Am 4. Januar 1948 wird Burma, der östlichste Teil Britisch-Indiens, nach 122 Jahren Kolonialherrschaft eine unabhängige Republik. Seine relativ moderne Infrastruktur und die unerschöpflichen natürlichen Ressourcen machten Burma rasch zur erfolgreichsten Volkswirtschaft in Südostasien.
Kurze Freiheit
Doch
die Hoffnung auf ein demokratisches und friedliches Burma währte nicht
lange. Am 2. März 1962 setzt General Ne Win mit einem Militärputsch die
Verfassung Burmas außer Kraft. Mit äußerster Brutalität geht die Armee
gegen Oppositionelle vor und operiert vor allem in den Gebieten der
ethnischen Volksgruppen wie eine Besatzungsmacht. Burma befindet sich
im Bürgerkrieg und die Bedürfnisse des Militärs dominieren bald den
Staatshaushalt und jedes staatliches Handeln.
Ne Win versuchte, das Land von der Außenwelt abzuschotten und ein sozialistisch-totalitäres Staatengebilde nach Stalins bzw. Mao Tse Tungs Vorbild zu errichten. Die nicht-burmanischen Völker sollten "burmanisiert" werden, um auf diese Weise den Traum des Diktators von einem mächtigen und ethnisch einheitlichen Großburma zu verwirklichen. Damals begann das Leid der verschiedenen Volksgruppen, die ihre Sprachen, Kulturen und Traditionen sowie ihre Autonomie im burmesischen Staatsgefüge beibehalten wollten und deshalb versuchten, sich gegen das Militär zu wehren.
1988: Aufstand für Demokratie

Am 8. August 1988 kommt es in ganz Burma zu Demonstrationen gegen die Politik der Militärdiktatur und für Demokratie. Eine mutige Frau, Aung San Suu Kyi, Tochter des burmesischen Freiheitshelden Bogyoke Aung San, stellte sich an die Spitze der Demokratiebewegung. Aber der Aufstand wird brutal niedergeschlagen. Über 10.000 Studenten starben im Kugelhagel der eigenen Landsleute. Viele weitere kamen danach in den berüchtigten Gefängnissen durch Folter, Zwangsarbeit, Gewalt und Krankheiten ums Leben. Noch heute sind einige der Aktivisten von damals im Gefängnis, manche in verschärfter Einzelhaft.
Aung San Suu Kyi wird zur Generalsekretärin der neu gegründeten "National League for Democracy" (NLD), in der sich die demokratischen Kräfte zusammenschließen, gewählt. Im Juli 1989 wird sie ohne Anklage oder Verurteilung durch ein Gericht von der Diktatur unter Arrest gestellt. Bis heute ist sie die einzige von der Weltöffentlichkeit wahrgenommene Zeugin jahrzehntelanger Unterdrückung.
1990: Wahlsieg der National League for Democracy
Der
Druck der eigenen Bevölkerung bewegt schließlich das Militärregime, die
erste Wahl seit 1960 zuzulassen. Obwohl Aung San Suu Kyi zur Wahl nicht
zugelassen ist und weiter unter Arrest steht, gewinnt ihre Partei 82%
der Sitze des zukünftigen Parlaments. Damit haben die Generäle nicht
gerechnet. Sie erkennen die Wahl nicht an. Der Traum eines friedlichen
Übergangs zur Demokratie und zur Mitbestimmung vor allem auch für die
verschiedenen ethnischen Volksgruppen des Landes war geplatzt.
Aung San Suu Kyi - die einzige Friedensnobelpreisträgerin in Haft
Am 14. Oktober 1991 verleiht die Nobelstiftung den Friedensnobelpreis an Aung San Suu Kyi. Sie kann den Preis nicht selbst entgegennehmen.
Ein internationales Wirtschaftsembargo und die Asienkrise setzen das Regime nach 1997 unter Druck. Die Generäle reagieren daraufhin mit einigen Zugeständnissen. Im Mai 2002 lassen die Machthaber endlich Aung San Suu Kyi frei und erlaubten ihr sogar, sich ungehindert im Land zu bewegen und ihre NLD neu zu beleben. Wieder einmal hatte sich das Regime völlig verschätzt, als es annahm, die Menschen Burmas hätten ihre Freiheitsheldin vergessen. Aung San Suu Kyi reiste kreuz und quer durch das ganze Land und überall wo sie hinkam, strömten Menschenmassen zusammen, um sie zu hören und den Wunsch nach Demokratie und Menschenrechten zu zeigen.
Die Junta reagierte,
wie es zu erwarten war. Kräfte der Geheimpolizei und des Militärs
organisierten Ende Mai 2003 im Norden des Landes mit Hilfe von
bezahlten Schlägern einen Überfall auf die Fahrzeugkarawane, mit der
Aung San Suu Kyi reiste und ließen sie wieder verhaften. Bei dem
Überfall wurden über 50 Menschen ermordet, darunter auch führende
Vertreter der NLD und viele Mitglieder der Jugendorganisation der NLD,
die ihre Versuche, Aung San Suu Kyi zu schützen, mit dem Leben
bezahlten.
Heute befindet sich Aung San Suu Kyi immer noch im Hausarrest in einem "Gästehaus" des Regimes. Sie hat kaum Kontakt zur Außenwelt, selbst das Internationale Rote Kreuz hat nur beschränkten Zugang zu ihr.
Die Burmesen und die Gemeinschaft der Freiheitsliebenden bangen um die Gesundheit und das Leben von Aung San Suu Kyi. Weltweit wird die Forderung immer lauter: Lasst Aung San Suu Kyi frei. Ohne weitere Verzögerung und bedingungslos!
Heute: Elend ohne Hoffnung?
Die mit der kurzzeitigen Freilassung von Aung San Suu Kyi aufgekeimten Hoffnungen auf eine schrittweise Liberalisierung sind vergangen. Das Regime igelt sich stärker ein. Die Führer des Shan-Volkes wurden verhaftet und wegen angeblichen Hochverrats zu absurd langen Freiheitsstrafen verurteilt. Sogar völlig unpolitischen neutralen Hilfsorganisationen und selbst dem Internationalen Roten Kreuz wird die humanitäre Arbeit unmöglich gemacht.
Heute
glauben die Militärs, auf die Meinung der demokratischen Welt keine
Rücksicht mehr nehmen zu müssen. Sie verscherbeln die Rohstoffe des
Landes an energie- und rohstoffhungrige Nachbarn wie China, Indien oder
Thailand, aber auch an europäische Ölkonzerne wie Total. Die damit
erzielten Einnahmen reichen ihnen für ihr Luxusleben und für ihren
Machterhalt. Ihre Armee mit 500.000 Soldaten steht bereit zum Einsatz
gegen die völlig verarmte Bevölkerung und die Lage der Menschenrechte
in den ethnischen Gebieten verschlechtert sich täglich.



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